was wir nicht erzählen



was wir nicht erzählen

eine Kollaboration

Beatrice Im Obersteg (Arts du Geste, Tanz) 

&

Rebecca C. Schnyder (Text, Stimme)


Premiere 19.11.2026, Müller-Friedbergstr 1, St.Gallen

Performances am 20. 21. 22. 25. 26. 27. 28. und 29. November


Das Projekt untersucht, was in Familien und Gesellschaften verschwiegen wurde und wie wir heute darauf blicken.

Ausgangspunkt ist das Leben meiner Urgrossmutter, die um 1895 in Paris einen Standort für eine St. Galler Textilfirma eröffnete, schwanger zurückkehrte und ihr uneheliches Kind in St. Gallen allein aufzog. Heimarbeit in der Textilindustrie ermöglichte ihr den Lebensunterhalt.

«was wir nicht erzählen», verfolgt die Geschichte ihres weit gereisten Sohnes, dessen Leben eng mit dem ehemaligen Antiquitätengeschäft verbunden war. Seine Biografie steht exemplarisch für eine Generation, deren private Brüche selten ausgesprochen wurden: uneheliche Geburt, Migration, wirtschaftliche Krisen, gescheiterte Beziehungen, Neuanfänge.

Der Raum ist keine Kulisse, sondern Träger von Erinnerung. Möbel, Nippes, Textilien und Alltagsobjekte bewahren Spuren gelebter Zeit. In diesem Geschäft ist auch die Präsenz seiner Tochter, meiner Mutter, spürbar. Seit ich denken kann, gestaltet sie dort Stillleben, setzt Dinge in Beziehung und lässt sie Geschichten spinnen. Das Weitergestalten und Verändern eines solchen Stilllebens bildet das Ende der Performance. Mit dieser Handlung werde ich selbst Teil der Familiengeschichte.

Die Performance arbeitet mit Fragmenten und offenen Fragen und verzichtet auf eine geschlossene biografische Erzählung oder Ahnenforschung. Mich interessieren die Lücken – das, was sich erst zeigt, wenn man zu fragen beginnt.

Es entsteht ein Resonanzraum, der sich an das Publikum richtet: Welche Geschichten geben wir nicht weiter? Welche Tabus tragen wir? Und was zeigen wir mit Stolz?


Foto: erstes Try out

vor Ort